Darkweb: Warum sind dort auch renommierte Unternehmen präsent?
Das Darkweb ist eine Technologie, mit der man sich im Internet bewegen kann, ohne Spuren zu hinterlassen. Einige Unternehmen verwenden sie für durchaus legale Aktivitäten.
Mit dem Darkweb verbindet man in der Regel die illegale Verwendung des Internets. Warum nutzen aber auch renommierte Zeitungen und andere Unternehmen das Darkweb für ihren Internetauftritt? Darauf will ich in diesem Blog eingehen.
Das Problem mit dem normalen Internet
Mit dem Aufruf einer Internetseite vertraue ich dem Betreiber dieser Internetseite sehr viele persönliche Daten an: z.B. die IP-Adresse, meinen Standort und Angaben über meinen Computer (siehe dazu auch ein früherer Blog von mir). Will ich weniger Spuren hinterlassen, muss ich einen VPN-Dienst einschalten. Das wiederum setzt aber voraus, dass ich dem VPN-Anbieter vertrauen kann. Diese Voraussetzung ist nicht in allen Ländern gegeben, und auch bei uns passiert es, dass VPN-Anbieter die Daten ihrer Kunden verlieren oder bekanntgeben (müssen). Für Situationen, in denen ich niemandem trauen kann oder will, gibt es die TOR-Technologie. Der Begriff TOR-Technologie wird meist synonym zum Darkweb verwendet. Was ist darunter zu verstehen?
The Onion Routing (TOR)
Wird eine Internetseite mit der TOR-Technologie aufgerufen, werden keine Daten des Absenders übertragen. Die dazwischenliegenden Server erkennen auch den Adressaten nicht, sondern kennen nur den nächsten Server, an den die Mitteilung weitergesendet werden muss. Die folgende Grafik veranschaulicht die Funktionsweise (Quelle: Philipp Winter, Princeton University und Mitglied des Tor Projekts).

In dieser Grafik befindet sich die aufgerufene Internetseite (Destination) ausserhalb des TOR-Netzwerks, deshalb ist ein Exit-Relay notwendig. Falls sich eine Internetseite innerhalb des TOR-Netzwerkes befindet (was man an der Endung "onion" erkennt), ist der gesamte Aufruf verschlüsselt. Von diesem Fall gehe ich in den folgenden Überlegungen aus.
Die Vorteile der TOR-Technologie:
- Mit der TOR-Technologie ist sichergestellt, dass der Internetbesucher Betreiber und den Ort einer Internetseite nicht eruieren kann.
- Der Betreiber einer Internetseite hat zudem keine Möglichkeit, die Besucher zu identifizieren. Er kann deshalb auch nicht zur Herausgabe von Benutzerdaten gezwungen werden.
- Zu guter Letzt kennen alle an der Weiterleitung von Nachrichten beteiligten Server weder die Herkunft noch (abgesehen vom Exit Relay, falls eine Seite im "normalen" Internet aufgerufen wird) das Ziel. Dies verunmöglicht Zensur.
Einsatzmöglichkeiten der TOR-Technologie
Weil die TOR-Technologie Zensur verhindert, haben Facebook und diverse renommierte Zeitungen auch einen Auftritt im Darkweb. Wenn ein KMU für seine Kunden auch im Fall einer Zensur digital erreichbar sein will, kann es das mit der TOR-Technologie relativ einfach sicherstellen. Weiter ermöglicht die TOR-Technologie einen sehr guten Schutz für Whistleblower, was ein weiterer Grund ist, weshalb Zeitungen diese Technologie verwenden. Eine sichere Plattform für externe und interne Whistleblower zur Verfügung zu stellen kann aber für jedes Unternehmen von Interesse sein.
Die Nachteile der TOR-Technologie:
Internetseiten im Darkweb können nicht über Suchmaschinen gefunden werden. Zudem kann der Betreiber einer Internetseite nicht eruiert werden, was es verunmöglicht, deren Seriosität zu überprüfen. Es besteht deshalb das sehr grosse Risiko, dass ich mir beim Besuch einer solchen Internetseite Probleme mit Schadsoftware einhandle. Deshalb ist die TOR-Technologie für viele kommerzielle Webauftritte nicht geeignet.Ein grosser Nachteil der TOR-Technologie ist zudem die Geschwindigkeit: Die Aufrufe werden in der Regel sehr sehr langsam verarbeitet.
Dafür ist die TOR-Technologie offensichtlich wirklich sicher: Am Europäischen Polizeikongress von 2019 wurde ein Verbot dieser Technologie in demokratischen Ländern gefordert. Im verlinkten Artikel steht ausserdem, dass HEISE die TOR-Technologie für das Whistleblowing verwendet.
Wie komme ich ins Darkweb?
Der Einstieg ins Darkweb ist einfach:
- Installieren Sie den TOR-Browser
- Geben Sie eine normale Internetadresse ein. Damit sind Sie zwar noch nicht im Darkweb, aber Sie können anonym surfen.
- Um nun wirklich ins Darkweb zu gelangen, müssen Sie eine Adresse mit der Endung ".onion" aufrufen. Hier mein Internetauftritt als Beispiel: "6w3f65imzmholfnqfbcrtufvpqhbsp6lzutqiwrvnhjz6yrpxk6gjpad.onion/blog.html". Jetzt sind Sie im Darkweb!
- Mein Blog: 6w3f65imzmholfnqfbcrtufvpqhbsp6lzutqiwrvnhjz6yrpxk6gjpad.onion/blog.html
- Facebook: facebookwkhpilnemxj7asaniu7vnjjbiltxjqhye3mhbshg7kx5tfyd.onion
- Whistleblowing der Süddeutschen Zeitung: udhauo3m3fh7v6yfiuornjzxn3fh6vlp4ooo3wogvghcnv5xik6mnayd.onion
Wichtig: Geben Sie keine Adressen ein, denen Sie nicht vertrauen! Ihr Computer ist sonst rasch mit Schadsoftware befallen.
A propos Suchmaschinen: Geben Sie "www.google.com" in den TOR-Browser ein und schauen Sie, was mit Ihren Suchabfragen passiert… Da Google sein Geschäftsmodell mit dem TOR-Browser bedroht sieht, bedient Google keine Anfragen daraus. Das ist für mich der Grund, dass ich auf DuckDuckGo gewechselt und diese Suchmaschine bei mir als Standard definiert habe.
Ist das Darkweb für die KMU relevant?
Falls Ihr KMU in Länder mit zeitweise problematischen politischen Situationen exportiert, ist es allenfalls hilfreich, wenn Sie einen Internetauftritt haben, der nicht zensuriert werden kann. Zudem können Sie mit der TOR-Technologie auch Geschäftsgeheimnisse (z.B. patentierte Konstruktionspläne) ohne Probleme mit Filialen in Ländern austauschen, wo der Staat den Datenschutz nicht gross beachtet.
Auch beim Whistleblowing könnte das Darkweb für die KMU von Interesse sein: Zeitungen haben heute oft ein Whistleblowing-Portal basierend auf dem Darkweb. Whistleblower wenden sich deshalb mangels Alternative oft an Zeitungen. Wenn Sie den Whistleblowern eine garantiert sichere Plattform anbieten, kommen die problematischen Informationen evtl. zuerst zu Ihnen, bevor sie den Umweg über die Presse nehmen.
Mein Bekenntnis
Jeder Bürger hat das Recht, dass bei der Nutzung des Internets seine Privatsphäre respektiert wird. Ohne Einschränkung ist das heute nur mit der TOR-Technologie möglich. Bei allen anderen Technologien besteht die Möglichkeit, dass sogenannte Hintertüren eingebaut werden. Im Positiven werden diese Hintertüren für die Bekämpfung der Kriminalität verwendet, im Negativen für die Schaffung des gläsernen Bürgers. In dieser Güterabwägung geht für mich die Privatsphäre vor. Ich unterstütze deshalb die TOR-Technologie mit dem privaten Betrieb eines TOR-Relays.
Im nächsten Blog werde ich meine Erfahrungen mit der Erstellung eines Internetauftritts im Darkweb erläutern.
Fragen, Anmerkungen, Korrekturen und Widerspruch sind erwünscht. Bitte verwenden Sie dazu entweder das E-Mail oder Twitter (siehe Fusszeile).